• Situation Alleinerziehender

Ursachen der Zunahme von Alleinerziehenden mit minderjährigen Kindern

Die Ursachen für den Anstieg von Trennungen und Scheidungen sind vielfältig und werden teilweise kontrovers diskutiert. Soziologisch betrachtet sind wesentliche Aspekte

  • die Gesellschaft bietet heute vielfältige Lebensoptionen, die früher insbesondere für Frauen nicht gegeben waren (Pluralisierung der Lebensentwürfe und Lebensformen)
  • die Gestaltung der Rollen von Müttern und Vätern sind heute weniger traditionell geprägt als früher (Aushandlung von Optionen) und müssen in den Paarbeziehungen intersubjektiv ausgehandelt werden
  • die Ansprüche an die Erziehung des Kindes/der Kinder sind gestiegen, und auch hier fühlen Eltern stärker denn je den Anspruch, sich gemeinsam zu engagieren – was gleichzeitig das elterliche Konfliktpotenzial erhöht
  • die bessere schulische und berufliche Qualifikation vieler Frauen und die stärkere Gleichberechtigung gehen einher mit dem gesellschaftlichen Leitbild der Gleichberechtigung von Frauen und Männern – die bis zur Geburt von Kindern heute
  • gelebt werden kann, dann jedoch kaum noch realisierbar ist ((Untersuchungen zeigen übrigens, dass die Erwerbstätigkeit von Müttern das Scheidungsrisiko nicht erhöht, sondern ein eigenes Einkommen von Frauen mit einem verminderten Scheidungsrisiko einhergeht)
  • die hohen Anforderungen der Arbeitsgesellschaft (nicht nur im Hinblick auf zeitliche Flexibilität und räumliche Mobilität, sondern auch bezogen z. B. auf die Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes) wirken in Gestaltung und Qualität des Familienlebens hinein und nicht selten werden strukturelle Konflikte auf der persönlichen Ebene ausgetragen
  • die Erwartungen an Partnerschaften sind gestiegen, und Paare bleiben nur zusammen, wenn die wechselseitigen Erwartungen in einem (subjektiven) Mindestmaß erfüllt werden.

Die neuen Möglichkeiten der Lebens- und Beziehungsgestaltung bieten Chancen und beinhalten Gefahren: in Familien müssen täglich vielfältige Vereinbarungen zwischen den Eltern und zwischen Eltern und Kindern ausgehandelt werden – die zudem noch kompatibel mit den äußeren Rahmenbedingungen wie z. B. beruflichen Anforderungen sein müssen –, und diese Prozesse können gelingen oder scheitern. Scheitern sie immer wieder, so steigt die Unzufriedenheit mit der Partnerschaft.

Deshalb zählt die Förderung von sozial-kommunikativen Kompetenzen und Konfliktbewältigungsstrategien in der Familie zu den wichtigsten Zielen der Ehevorbereitung

und -beratung sowie der Trennungs-/Scheidungsberatung. Aktuelle Entwicklungen wie

  • das steigende Heiratsalter
  • die sinkende Quote von Eheschließungen
  • die niedrige Geburtenquote oder
  • die steigenden Scheidungsziffern

sind aus Expertensicht (7. Familienbericht) zudem globale Begleiterscheinungen eines gesellschaftlichen Wandels von der Industrie- in eine Dienstleistungs- und Wissensgesellschaft.

Petra Winkelmann