• Kinder und Scheidung

Kinder und Scheidung

„Doof, gemein ungerecht...", so beschreiben die meisten Kinder ihre Gefühle, wenn sich ihre Eltern trennen. Sie sind wütend, traurig, fühlen sich ohnmächtig. Manchmal sind sie aber auch erleichtert, „das Gestreite nicht mehr hören" zu müssen.

Die Trennung und Scheidung der Eltern ist für Kinder oft schmerzhaft. Das heißt nicht, dass sie ein Leben lang unglücklich bleiben. Sehr kleinen Kindern muss das Scheidungserlebnis in ganz einfachen Worten erklärt werden. In den meisten Fällen wird das Kind Angst haben, dass es den Elternteil verlieren könnte, der aus der bisherigen Familienwohnung auszieht, in aller Regel der Vater. Das Kind muss sicher sein können, dass das nicht geschieht. Kleine Kinder fühlen sich wohl, wenn Dinge in ihrem Leben so bleiben, wie sie waren, wie jeder Erwachsene weiß, der einmal versucht hat, auch nur ein Wort der Lieblingsgeschichte eines Kinder abzuändern. Wenn Kinder älter werden, können sie leichter verstehen, welche Ereignisketten zur Scheidung ihrer Eltern geführt haben, aber für ganz kleine Kinder bedeutet Scheidung, erfahren zu müssen, dass die Eltern nicht mehr an ein und demselben Platz zusammenleben können. Anhand eines Bilderbuches kann ihnen erklärt werden: Ganz gleich, wo die Eltern wohnen, sie werden ihr Kind immer lieben und an seinem Leben teilnehmen.

"Wer Kinder liebt, hilft ihren Eltern"

Der Scheidung eines Ehepaares mit Kindern geht meist eine Zeit großer Zweifel voraus. Eltern fragen sich, was die Scheidung für ihre Kinder bedeuten wird, und entschließen sich im Allgemeinen nur dann zu diesem Schritt, wenn sie keinen anderen Ausweg sehen.

Trotzdem fällt es ihnen in der ersten Zeit der Trennung oft schwer, die Bedürfnisse ihrer Kinder ausreichend wahrzunehmen und zu beantworten, da die Bewältigung ihrer eigenen Lebenskrise sie viel Kraft kostet.
Kinder sind traurig über den Konflikt und die Trennung ihrer Eltern. Sie möchten weiterhin ihre Liebe zu Mutter und Vater zeigen dürfen und die Zuwendung beider Eltern erfahren. Sie möchten wissen, dass sie nicht selbst die Trennung verursacht haben. Sie wünschen, dass immer jemand für sie sorgen und dass es Vater und Mutter wieder gut gehen wird.

Eltern und Kinder müssen ihr familiäres Leben neu ordnen. Wer alleine mit seinen Kindern lebt, steht häufig unter der Dreifachbelastung durch Kindererziehung, Beruf und Haushalt. Der Mangel an Zeit und Geld, der Rückzug mancher Verwandter und Freunde, die Verletzbarkeit auf Grund der Trennungskrise und oft auch ein Wohnungswechsel bringen die Gefahr der Isolierung mit sich. Andererseits können die bewusste Verarbeitung der Trennung und die Herausforderung durch neue Aufgaben zu größerer Selbstständigkeit und Sensibilität für die Nöte anderer führen.

Mit der Reform des Kindschaftsrechts von 1998 haben (nach dem Sorge- und Umgangsrecht) auch nicht verheiratete Eltern die Möglichkeit, das gemeinsame Sorgerecht auszuüben. Das gilt im Regelfall auch für geschiedene Eltern. So bleiben, auch im Fall des Getrenntlebens, beide Eltern gemeinsam in der Zuständigkeit, Verantwortung und Sorge ihrer Kinder.

Väter und Mütter, die nicht mit ihren Kindern zusammen leben oder nicht das Sorgerecht haben und ihre Kinder nur selten sehen, sind oft in ihrer elterlichen Rolle verunsichert. Es fehlt ihnen manche Erfahrung mit ihren Kindern, und es schmerzt sie die immer neue Trennung von ihnen. Dennoch gelingt es nicht wenigen, ihren Kindern ein gutes zweites Zuhause zu geben.

Gertrud Ganser, Alleinerziehendenarbeit im Erzbistum Köln