Single Moms und Dads vernetzt euch! - ein Fachgespräch
Alleine Erziehen: Single Moms und Dads vernetzt euch! - ein Fachgespräch
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... zu mehr gesellschaftlicher Teilhabe für Einelternfamilien

Die meisten Alleinerziehende sind nicht 22 Jahre alt und lebensunerfahren. Sie sind nicht schwanger geworden, weil die Verhütung nicht geklappt hat und sie sind nicht alleine, weil sie beziehungsunfähig sind. Auch haben sie ihre Ausbildung nicht wegen der Schwangerschaft abgebrochen oder keinen Beruf und sind deshalb auf staatliche Leistungen angewiesen…

Nein, 73% Alleinerziehende sind älter als 35 Jahre, gut ausgebildet und arbeiten prozentual häufiger in Vollzeit als Frauen in einer Paarbeziehung.

Und wurden meist alleinerziehend durch Trennung und Scheidung.

Im Rahmen der diözesanweiten „Woche der Inklusion“ fand am Dienstag, 3. Mai ein digitales Fachgespräch zum Thema „Single Moms - Single Dads-vernetzt euch“ statt! Es ging darum, soziale und kulturelle Teilhabe von Einelternfamilien zu fördern und zu stärken.

Die Veranstaltung wurde vom Arbeitsbereich Alleinerziehende im Erzbischöflichen Seelsorgeamt in Kooperation mit dem Referat Familienhilfe im Diözesancaritasverband und dem Diözesanverein Sozialdienst Katholischer Frauen durchgeführt.

Die bekannte Bloggerin, Autorin und Speakerin Christine Finke, selbst seit 12 Jahren alleinerziehend mit drei Kindern, nannte zu Beginn Zahlen und Fakten zur Lebenssituation von Einelternfamilien und räumte mit verbreiteten Vorurteilen auf. Sie analysierte in ihrem Vortrag die Hürden, die Alleinerziehenden in unserer Gesellschaft eine politische, eine soziale Teilhabe, eine berufliche und eine kulturelle Teilhabe erschweren. Sie ging auf Studien ein, die auf die negativen Folgen eines Mangels an Teilhabe hinweisen: das geht von Nachteilen im Bildungswesen hin zu langfristigen gesundheitlichen Folgen. Beispielsweise fehlen Kinder aus Familien mit kleinem Einkommen häufig in Sport- und Musikvereinen.

Nicht teilhaben zu können, so führte sie aus, führt in die Isolierung und macht auf Dauer unglücklich. Und zwar leider nicht nur die betroffenen alleinerziehenden Mütter (und Väter, wobei jene eher ältere Kinder betreuen und deutlich weniger heftig von Armut betroffen sind), sondern auch die Kinder von Alleinerziehenden.

Sie selbst ist seit mehreren Jahren als Gemeinderätin der Stadt Konstanz engagiert. Sie schilderte sehr eindrucksvoll, dass sie aufgrund dieser Tätigkeit immer wieder die Möglichkeit geboten bekommt, kostenfrei an kulturellen Veranstaltungen teilzunehmen. Doch die Tickets dafür gibt sie regelmäßig an Freunde weiter, weil sie aufgrund fehlender Betreuungsmöglichkeiten ihre Kinder abends nicht alleine lassen kann.

Für sie ist der Schlüssel zur Teilhabe Geld: Geld auf allen politischen Ebenen, um Alleinerziehende zu entlasten, z.B. durch offene Kinderbetreuung, um Elternteilen freie Zeiten zu ermöglichen. Sie ermutigte aber auch alle teilnehmenden Alleinerziehende dazu, sich zu vernetzen, politisch aktiv zu werden und selbstbewusst für die eigene Familienform einzustehen.

Im zweiten Teil des Nachmittags wurden in Workshops Möglichkeiten aufgezeigt, um sich als Einelternfamilien zu treffen (Sonntagsbrunch beim SkF Konstanz), sich niederschwellig zu unterstützen (Initiative „Zeitbankplus“, Familienpat*innen beim CV Mannheim) oder die eigene finanzielle Familiensituation durch Know How selbstbestimmt in die Hand zu nehmen und zu verbessern (Webseminare „Was verdient die Frau“ , DGB) – eine bunte Mischung an Angeboten, die dazu einluden, sich zu vernetzen, um gemeinsam die Interessen von Alleinerziehenden durchzusetzen.

Die „Wortwolken“ am Ende der Veranstaltung zeigten die Zufriedenheit der Teilnehmenden auf: „angeregt“ und „motiviert“ fühlten sie sich und hatten für sich erneut die Notwendigkeit der „Vernetzung“ und des „politischen Engagement“ erkannt.

 Edith Lauble, Diözesanreferentin für Alleinerziehendenarbeit im Erzbistum Freiburg