Papa wohnt gerade woanders
Alleine Erziehen: Papa wohnt gerade woanders
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von ➡ elternbiefe.deJana Strahl

Seitdem der Papa vorübergehend ausgezogen ist, verhalten sich Max (7) und Paul (4) ganz anders: Max ist neuerdings so hilfsbereit, dass die Mutter ihn kaum wiedererkennt, und weicht ihr kaum von der Seite, dagegen bekommt Paul ziemlich viele Wutanfälle und beschimpft seine Mutter oft.

Verständlicherweise hat die vorübergehende Trennung der Eltern die beiden Kinder tief verunsichert. Ihre Reaktionen, wenn auch gegensätzlich, weisen überdeutlich darauf hin. Max verhält sich überangepasst - er versucht, der Mama alles recht zu machen und zeigt sich besonders lieb und hilfsbereit. Eine naheliegende Erklärung: Max hat Sorge, dass auch Mama noch „gehen“ könnten, und in seinem Alter realisiert er schon ganz klar, wie sehr er von den Eltern – sprich zur Zeit: von seiner Mama – abhängig ist. Also klammert er, lässt sie möglichst nicht aus den Augen und tut alles, um sie nicht auch noch zu vergraulen. Paul hingegen scheint seine Aggressionen ungefiltert herauszulassen. Sei es, weil er seine Ängste nicht in den Griff bekommt, sei es, weil er die Mama für die Schuldige hält und sie dafür bestrafen will, sei es, weil er sich durch den Abgang seines Vaters in seiner kindlichen Liebe verletzt fühlt und nun andere genauso verletzen will.

Natürlich tun Max und Paul das alles nicht bewusst; darauf angesprochen, würden sie solche Absichten vermutlich energisch abstreiten. Und so verständlich die Reaktionen der beiden und so berechtigt die Gefühle dahinter auf jeden Fall sind: Wahrscheinlich haben die beiden auch große Probleme damit, die Situation „richtig“ (aus Erwachsenen-Sicht!) einzuordnen, und können umso weniger „vernünftig“ darauf reagieren.

Unklar ist für die beiden erstens, wie lange diese Trennung dauern wird – wahrscheinlich wissen die Eltern das ja nicht einmal selbst. Damit zusammen hängt zweitens die Frage: Ist Papa jetzt (erst einmal) komplett aus unserem Leben verschwunden? Oder werden wir ihn auch in Zukunft regelmäßig wiedersehen und alles das mit ihm tun können, was uns bisher so gutgetan hat – spielen, toben, schwimmen, handwerken, unsere Erfolge und unseren Kummer mit ihm teilen? Und drittens nagt im Hintergrund möglicherweise das schlechte Gewissen: Haben wir Papa so verärgert, dass er „gegangen“ ist?

Diese Missverständnisse müssen durch die Mama (und dem Papa?) im Gespräch mit den beiden Jungen ausgeräumt werden.

Es braucht die Erklärung, dass die Eltern sich als Liebespaar getrennt haben, weil sie sich Ihrer gegenseitigen Liebe und Zuverlässigkeit nicht mehr sicher sind, ...

  • dass das ausschließlich eine Sache zwischen ihnen, den Erwachsenen, ist, und dass die Jungs keinen Einfluss darauf und erst recht keine Schuld daran haben,
  • dass die Eltern sich auch deshalb getrennt haben, weil sie eine belastende Situation für sich selbst (und die Kinder?) zum Besseren verändern wollen,
  • dass sie hoffen, wieder zusammen zu finden, aber nicht wissen, wie lange die Trennung dauern wird, und dass diese möglicherweise auch endgültig sein könnte,
  • dass die Eltern aber auf jeden Fall beide Mutter und Vater ihrer Söhne bleiben, sie liebhaben und für sie sorgen werden.

Wie weit sie dabei ins Detail gehen, entscheiden die Eltern am besten nach Max' und Pauls Reaktionen und Nachfragen - Kinder sind sehr unterschiedlich darin, was und wie viel sie wissen wollen. Manchen genügt es schon zu wissen und zu spüren, dass die Eltern ihre Gefühle akzeptieren, gesprächsbereit sind und ihnen versichern, dass sie sich darum bemühen, die Situation in den Griff zu bekommen; zu viele Einzelheiten aus dem elterlichen Rosenkrieg würden sie nur unnötig belasten. Ihre Söhne dürfen auch ruhig miterleben, dass Mama und Papa selbst ab und zu traurig oder wütend sind. Die Eltern sollten es aber vermeiden, sich gegenseitig vor den Kindern schlecht zu machen oder abzuwerten. Das würde Max und Paul daran hindern, beide zu lieben und sie in einen Loyalitätskonflikt stürzen, der sie völlig überfordert und innerlich zerreißen könnte.

Sehr gut visualisieren, lässt sich das mit dem „Familienhaus“ nach Engel & Klotmann:

Familienhaus nach Engel & Klotmann

Während die „Paar-Etage“ (ggf. vorübergehend) geschlossen ist, bleiben die anderen Etagen weiterhin geöffnet.

Vertiefende Betrachtungen des Themas in ➡ Mit Kindern über Trennung reden 


Quelle: www.elternbriefe.de; März 2018; Autorin Ursprungsartikel: Sabine Maria Schäfer