"Voll daneben"
Alleine Erziehen:
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Gedanken zur Erziehung in Verbindung mit der biblischen Erzählung vom Säen


von Ursula Radeck

Beim Säen kann buchstäblich so manches danebengehen. Als ich mit meiner Tochter neulich Kresse in einen kleinen Topf säen wollte, fielen uns einige Körnchen auf den Boden – und blieben am Küchenboden kleben. Als ich im Frühjahr versuchte, Samen in unseren löchrigen Rasen zu säen, warf ich unbeabsichtigt viele davon ins kniehohe Unkraut. Außerdem kamen Spatzen und Amseln und fraßen sich daran satt. Und ein andermal trieb die Saat schneller aus als ich dachte und ich vergaß sie rechtzeitig zu gießen.

Wenn ich mich Tag für Tag um meine Kinder sorge, komme ich mir manchmal vor wie jemand, der Samen aussät. Ich möchte ihnen beibringen ordentlich zu sein, zuverlässig, ehrlich, fleißig in der Schule, freundlich zu den Nachbarn, hilfsbereit, musikalisch, sportbegeistert und vieles mehr. Ich möchte ihnen viel Gutes weitergeben und ihnen so manchen Irrweg ersparen. Aber immer wieder habe ich das Gefühl, dass einiges nicht so wirklich fruchten will. Wenn ich ins Kinderzimmer schaue weiß ich, dass der Same „Ordnung halten“ irgendwie nicht aufgehen will…

So ist das beim Säen. Manches fällt einfach nicht auf fruchtbaren Boden.

Ein biblisches Gleichnis (siehe rechts) erzählt ebenfalls von dieser Tatsache und dort heißt es am Schluss: „Ein Teil der Samen fiel schließlich auf guten Boden und brachte Frucht; die Saat ging auf und wuchs empor und brachte Frucht, teils dreißigfach, teils sechzigfach, teils hundertfach.“

Ein entlastender Gedanke, dass nicht alles Frucht tragen muss, was ich Tag für Tag auszusäen versuche. Nicht weil es egal wäre, sondern weil das Leben eben so ist und Kinder ihre ganz eigene Persönlichkeit haben. Und weil ich darauf vertrauen kann, dass ein Teil davon ganz sicher aufgeht. Und der trägt ausreichend. 


Ursula Radeck
Referentin für Alleinerziehende
Bischöfliches Seelsorgeamt - Frauenseelsorge
Bistum Augsburg


Bibelstelle zum Text

Matthäus 13 - Das Gleichnis vom Sämann

1 An jenem Tag verließ Jesus das Haus und setzte sich an das Ufer des Sees. 2 Da versammelte sich eine große Menschenmenge um ihn. Er stieg deshalb in ein Boot und setzte sich. Und alle Menschen standen am Ufer. 3 Und er sprach lange zu ihnen in Gleichnissen. Er sagte: Siehe, ein Sämann ging hinaus, um zu säen. 4 Als er säte, fiel ein Teil auf den Weg und die Vögel kamen und fraßen es. 5 Ein anderer Teil fiel auf felsigen Boden, wo es nur wenig Erde gab, und ging sofort auf, weil das Erdreich nicht tief war; 6 als aber die Sonne hochstieg, wurde die Saat versengt und verdorrte, weil sie keine Wurzeln hatte. 7 Wieder ein anderer Teil fiel in die Dornen und die Dornen wuchsen und erstickten die Saat. 8 Ein anderer Teil aber fiel auf guten Boden und brachte Frucht, teils hundertfach, teils sechzigfach, teils dreißigfach. 9 Wer Ohren hat, der höre!